Chrikro.at Logo

WebSoftwareTechnik

Office.eu erregt Aufmerksamkeit – Alter Wein in neuen Schläuchen?

Screenshot von office.eu

Nie standen die Cloud-Dienste großer amerikanischer Tech-Konzerne so sehr in der Kritik wie seit letztem Jahr. Insbesondere seit das Microsoft-Konto des IStGH-Chefanklägers Karim Khan blockiert wurde, schrillen in Europa bei vielen die Alarmglocken. Man möchte sich von der amerikanischen Abhängigkeit lösen.

Gelingen soll das mit Open-Source-Lösungen, die bereits existieren. An vorderster Front steht dabei Nextcloud. Gestartet als Dropbox-Alternative zum Selbst-Hosten, ist es inzwischen eine ganze Suite, bei der nahezu alle denkbaren Funktionen über Add-ons nachgerüstet werden können: Videokonferenzen, Unternehmens-Wiki, Office – alles hinter einem Login. Wahlweise auf eigener Hardware oder als Managed Service bei europäischen Hosting-Anbietern wie z. B. Hetzner oder OVH.

Während sich in der öffentlichen Verwaltung vereinzelt schon etwas regt, scheint man in der Privatwirtschaft noch nicht ganz überzeugt zu sein. Entscheider wollen einfache Lösungen, doch das Open-Source-Ökosystem wirkt auf den ersten Blick nicht immer so einfach.

Ein neuer Name geistert durch das Internet

Seit einigen Wochen erregt ein neuer Anbieter namens office.eu Aufmerksamkeit. Es gibt unzählige Posts auf Reddit, und auch Medien wie Der Standard berichteten über den neuen Office-Cloud-Anbieter.

Doch was macht office.eu anders als bisherige Lösungen? Die für manche vielleicht überraschende Antwort lautet: nichts. Es handelt sich auch hier um eine Nextcloud mit diversen Add-ons, wie man sie auch bei anderen Anbietern buchen kann. Der Funktionsumfang dürfte unter dem Strich sogar geringer sein als bei anderen Initiativen, die einen souveränen Arbeitsplatz versprechen.

Man sollte sich auch nicht durch vermeintliche Referenzen auf der Website täuschen lassen. Unter der Überschrift „All these companies work with the same technology“ finden sich namhafte Einrichtungen, wie z.B. Siemens, Amnesty International, ARD, ZDF, oder aus Österreich RAITEC und Land Oberösterreich. Vermutlich wird dort nirgends tatsächlich office.eu eingesetzt. Mit „same technology“ ist höchstwahrscheinlich einfach nur Nextcloud gemeint. Nicht gerade die feine Art, um eine Dienstleistung zu verkaufen.

Warum alter Wein in neuen Schläuchen auch was gutes sein kann

Die plötzliche Bekanntheit von office.eu kommt nicht von Ungefähr. Dank der „sprechenden“ Domain weiß jeder sofort, was man bekommt: eine in der EU gehostete Office-Lösung. Office.eu fasst verschiedene Open-Source-Lösungen unter einer Marke zusammen. Und diese einheitliche Kommunikation ist unglaublich wertvoll. Hier zeigt sich wieder einmal die Macht des Marketings.

Ähnliche Projekte gibt es natürlich schon länger. So verfolge ich persönlich seit einiger Zeit die Entwicklung des Libre Workspace, der von einem deutschen IT-YouTuber gemeinsam mit seiner Community aufgebaut wird. Doch kein anderes Projekt hat einen so einprägsamen und einleuchtenden Namen wie office.eu. Und das könnte eine Chance sein, Open Source im Unternehmensumfeld mehr Auftrieb zu geben.

Beitrag teilen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert