Kaum eine Software ist im Büroalltag so unverzichtbar wie Office-Software. Die Office-Suite von Microsoft war dabei jahrzehntelang der Platzhirsch und Quasi-Standard – und das ist auch nach wie vor der Fall. Doch in Europa gerät etwas in Bewegung: Immer mehr Unternehmen und Einrichtungen beginnen sich umzusehen, was der Markt sonst noch bereithält und ob ein Wechsel sinnvoll wäre.
Alternativen gibt es durchaus einige – schnell kann man dabei den Überblick verlieren. In diesem Artikel listen wir die wichtigsten auf.
LibreOffice
Wir beginnen gleich mit dem Elefanten im Raum: LibreOffice ist die am häufigsten genannte Alternative zu Microsofts Büropaket und vollständig Open Source. Ursprünglich war das übrigens nicht so. Der Ursprung von LibreOffice liegt im kostenpflichtigen StarOffice, das bereits 1985 erstmals veröffentlicht wurde. Damit ist es sogar älter als Microsoft Office (1989).
Im Jahr 2000 wurde der Quellcode freigegeben und OpenOffice entstand. Nachdem es 2010 Differenzen über die Zukunft des Projekts gab, spaltete sich LibreOffice davon ab. OpenOffice existiert zwar noch, wird aber kaum weiterentwickelt.
LibreOffice verwendet mit dem Open Document Format (ODF) ein eigenes, offenes Dateiformat. In Österreich wird dieses Format unter anderem von Statistik Austria genutzt, wenn Tabellen zum Download angeboten werden. Natürlich kann das Office-Paket auch die Microsoft-Formate lesen und schreiben.
Ein häufiger Kritikpunkt ist die etwas veraltet wirkende Benutzeroberfläche. Zwar lässt sich eine Ribbon-Ansicht aktivieren, wie man sie von Microsoft kennt, optisch bleibt die Software jedoch eher schlicht. In der Vergangenheit gab es zudem Performance-Probleme, die jedoch mit jeder Version weiter reduziert wurden. LibreOffice wird aktiv weiterentwickelt; die verantwortliche Stiftung hat ihren Sitz in Deutschland.
Collabora
Collabora ist eine freie Office-Suite des gleichnamigen britischen Unternehmens. Technisch basiert sie auf LibreOffice, bietet jedoch eine deutlich modernere Benutzeroberfläche. Diese wurde mit Web-Technologien entwickelt und funktioniert daher auch hervorragend im Browser – etwa als Bestandteil von Nextcloud Hub.
OnlyOffice
Hierbei handelt es sich um ein eigenständiges Office-Paket ohne direkte Verbindung zu anderen Projekten. Auch diese Suite wirkt modern und wurde ursprünglich für den Einsatz im Webbrowser entwickelt. Sie kann aber ebenso klassisch auf Desktop-Systemen installiert werden.
OnlyOffice gibt Lettland als Unternehmenssitz an, befindet sich jedoch mehrheitlich in russischem Besitz. In Cloud-Lösungen wird es daher zunehmend von Collabora verdrängt.
Calligra Suite (nur Linux)
Die KDE-Community, bekannt für die Desktopumgebung Plasma, bietet unter Linux ihre eigene Office-Suite an – und das bereits seit dem Jahr 2000. Damals wurde die Software als KOffice gegründet, einzelne Bestandteile reichen sogar bis 1997 zurück.
2010 kam es zu internen Unstimmigkeiten, woraufhin Calligra als eigenständiges Projekt entstand. KOffice wurde 2012 eingestellt. Dieses Beispiel zeigt eine typische Stärke von Open Source: Wenn Entwickler mit der Ausrichtung unzufrieden sind, kann schnell ein alternatives Projekt entstehen. Calligra ist ausschließlich für Linux verfügbar.
SoftMaker Office / FreeOffice
Das Unternehmen SoftMaker mit Sitz in Nürnberg entwickelt seit 1987 eine eigene Office-Suite. Sie ist für Windows, macOS und Linux erhältlich und bekannt für ihre sehr gute Kompatibilität mit Microsoft-Formaten. Die Oberfläche ist modern und erinnert stark an Microsoft Office.
SoftMaker Office ist die einzige kostenpflichtige Lösung in dieser Liste und kostet rund 50 Euro pro Jahr (oder etwa 5 Euro pro Monat). Mit FreeOffice gibt es zudem eine kostenlose Variante mit wenigen Einschränkungen, die für private Nutzer meist völlig ausreicht. SoftMaker bietet außerdem Apps für Smartphones an.
SoftMaker beliefert auch das Unternehmen Ashampoo mit seiner Office-Suite, weshalb dieses nicht als eigenständiges Produkt in der Liste erscheint. Die Ashampoo-Version kann für Nutzer interessant sein, die kein Abo möchten, sondern lieber einen Einmalkauf bevorzugen. Ashampoo Office 8 wird derzeit für rund 17 Euro angeboten.
WPS Office
Dieses Office-Paket wird in China entwickelt. Es ist proprietär, aber in einer Basisversion kostenlos verfügbar. WPS Office existiert bereits seit 1988 und wurde außerhalb Chinas zeitweise unter dem Namen Kingsoft Office vermarktet – benannt nach dem Hersteller.
Da WPS weder europäisch noch Open Source ist, wird es vergleichsweise selten als Alternative in Betracht gezogen.
iWork (nur macOS)
Ähnliches gilt für das Softwarepaket von Apple. Der Vollständigkeit halber wird es hier dennoch als Alternative zu Microsoft Office erwähnt. Die iWork-Programme sind seit 2017 kostenlos auf jedem Mac vorinstalliert. Die Benutzeroberfläche unterscheidet sich deutlich von anderen Office-Suiten, da Apple hier eigene Designansätze verfolgt.
AbiWord & Gnumeric (nur Linux)
Zum Abschluss noch ein Tipp für Linux-Nutzer: AbiWord (Textverarbeitung) und Gnumeric (Tabellenkalkulation) sind schlanke Programme, die die wichtigsten Funktionen ihres jeweiligen Bereichs abdecken. Sie sind zwar nicht mit großen Office-Suiten vergleichbar, können aber für Nutzer mit geringeren Anforderungen eine interessante Alternative sein.
Das war unsere Übersicht über Office-Pakete. Alle genannten Lösungen sind in irgendeiner Form kostenlos nutzbar. Es spricht also nichts dagegen, sie einfach auszuprobieren und so die passende Alternative zu finden.


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