Die älteren Leser werden sich vielleicht erinnern. Zwischen 1994 und 2009 (in Japan noch bis 2019) existierte im Internet ein Angebot namens GeoCities, das seit 1999 ein Teil von Yahoo war. Damit war es möglich, über ein Baukastensystem sehr schnell und kostenlos eine eigene Website aufzusetzen. Auf diese Weise entstanden in der Frühzeit des Internets sehr individuelle und liebevoll gemachte Websites von Privatpersonen.
Jedes Ende ist auch ein Anfang
2009, als es gerade einen Hype um Web 2.0 und Social Networks gab, entschied sich Yahoo GeoCities zu beerdigen. Eine Entscheidung, die nicht unbemerkt blieb und Fans verärgerte. Der US-Amerikaner Kyle Drake wollte Abhilfe schaffen, und hat 2013 den geistigen Nachfolger Neocities gegründet. Anfangs mit dem Hauptzweck, ehemaligen Nutzern die Möglichkeit zu geben, GeoCities-Websites zu archivieren. Dafür standen zu Beginn nur 10 Megabyte Speicherplatz zur Verfügung. Heute ist es in der kostenlosen Version das 100-fache.
Neocities wächst und wächst
Inzwischen ist der Hauptzweck des Projektes längst nicht mehr nur die Archivierung alter Seiten. Neocities ist der vollwertige geistige Nachfolger von GeoCities und beherbergt heute über 1,8 Millionen Websites. Websites, die zum Teil mit viel Aufwand und Liebe zum Detail erstellt wurden. Die besten davon werden auf einer eigenen Unterseite präsentiert. Die User sind alle in einer Community zusammengeschlossen und können sich gegenseitig folgen. Man hat also auch eine moderne Komponente integriert, ohne den Charme verloren gehen zu lassen.
Ein Stück Internetkultur lebt
Kyle Drake zeigt sich weiterhin für das Projekt verantwortlich. Anders als bei GeoCities steht kein großer Konzern dahinter. Finanziert wird Neocities durch das kostenpflichtige Zusatzangebot, welches 5 Euro im Monat kostet. Technisch basiert das ganze System auf Open-Source-Code. In Zeiten wie diesen ist es besonders wohltuend zu sehen, dass es auch noch Projekte gibt, die den Spaß an der Sache priorisieren und nicht die Gewinnmaximierung.
Mit Neocities wurde ein Stück Internetkultur am Leben erhalten, das stark bedroht war. Dafür kann man nur Danke sagen.
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